Das Festival

Herzlich Willkommen beim Festival ZWISCHEN BERLIN UND PARIS – russisches Filmexil im europäischen Kino der 20er Jahre! Sie erwarten Stummfilmkonzerte mit international renommierten Musikern, wiederentdeckte Meisterwerke des Stummfilmkinos, spannende Begegnungen mit russischer Kultur, Literatur und Geschichte.

Gerade in der heutigen krisengeschüttelten Zeit gilt es zu erinnern, wie fruchtbar und vielseitig die Wechselbeziehungen zwischen der russischen und westeuropäischen Filmkultur waren und sind. Bereits vor knapp hundert Jahren brachten die russischen Filmemacher einen beachtlichen Reichtum an künstlerischer Kreativität, Energie und auch Finanzkraft in die westeuropäische Filmindustrie ein. In den Berliner und Pariser Filmateliers sind dabei spektakuläre Werke entstanden. International agierend, lebten die Filmemacher schon damals den Traum von europäischen Großproduktionen, die konkurrenzfähig zum Hollywood-Kino sein sollten. Das Bestreben ist heutzutage aktueller denn je.

Diese Filme, die bereits vor 100 Jahren das Publikum begeisterten, haben vom ihrem Unterhaltungswert nichts eingebüßt. Neuinterpretiert mit modernen Kompositionen beeindrucken sie heute noch durch ihr emotionales Potential. Die Bandbreite des Programms reicht von Robert Wienes „Raskolnikow“, dem legendären „Film des Moskauer Künstlertheaters“, über großangelegte Ausstattungsfilme wie dem von der Ufa unter der Regie von Alexander Wolkow produzierten Film „Der weiße Teufel“, bis hin zum Avantgarde-Film „Aufruhr des Blutes“ von Victor Trivas. Zu den besonderen Höhepunkten des Festivals gehört die sechsstündige Abenteuer-Serie „La Maison du Mystere“ – das aufwendigste Projekt der Exil-Russen im Paris der 20er Jahre – sowie das verschollen geglaubte und in Japan wiedergefundene Meisterwerk von Conrad Wiene „Die Macht der Finsternis“, das zum ersten Mal seit Jahrzehnten wieder auf einer deutschen Leinwand zu sehen sein wird.

Der Rückblick auf die Geschichte ist sicherlich auch im aktuellen Kontext der europäischen Migrationspolitik aufschlussreich. Neben der Kreativität einzelner Künstler und der ästhetischen Qualität und Originalität ihrer Arbeit beeindruckt immer wieder aufs Neue vor allem deren erfolgreiche Integration in den europäischen Film.

Ich wünsche Ihnen gute Unterhaltung und spannende Entdeckungen beim Stöbern auf dieser Seite. Wir sehen uns im Zeughauskino!

Julia Kuniß – Kuratorin und Projektleiterin

Julia Kuniss

J. Kuniß